Sonntag, 11. März 2018

Die Faszination des indischen Tantras


Anfang März 2018 besuchte ich am Yogazentrum Ulm bei Dr. Christian Fuchs das Seminar „Der indische Tantra und das Hatha-Yoga-System“. Ein sehr faszinierendes Thema. Vielleicht regt es ja auch dich zum Nachdenken an oder lässt dich zu neuen Erkenntnissen kommen. Da die Tantra-Tradition aber sehr komplex ist, lese diesen Blog-Eintrag mit dem Bewusstsein, dass ich das Gehörte so richtig wie möglich wiedergeben zu versuche. Sei dir bewusst, bei jeder weitererzählten Geschichte geht evtl. ein Detail verloren.

Seit Oktober 2014 bin ich nun in der Ausbildung zur Yogalehrerin. Ein langer Weg den ich ganz bewusst gewählt habe. Für mich als ungeduldigen Menschen, der gerne direkt und ohne Umwege ans Ziel kommt, manchmal eine Herausforderung. Aber gerade jetzt im Aufbaustudium zur Yogalehrerin merke ich, wie alles einen Sinn gibt und wie sich alles zusammenfügt. Und das braucht tatsächlich auch Zeit, viel Zeit. Meine Erkenntnisse über die Veden, die Upanisaden, die Bhagavadgita, den Hatha-Yoga, Kundalini-Yoga, Meditation, Bhakti, Karma, Dharma und den Tantra…,  – so langsam nähere ich mich dem Verstehen und Erfassen der Komplexität. Viele Einzelheiten und Details geben ein großes Ganzes. Ähnlich wie beim Tantra. Tantra bedeutet Gewebe, alles verbunden. Beim Weben werden auch viele einzelne Fäden miteinander verbunden und es entsteht ein großes Ganzes – ein Gebilde.



Bei Tantra denken sicherlich viele Menschen an Massagen und sexuelle Praktiken, aber wer den Tantrismus in seiner Tiefe erfasst hat, der weiß, es geht um spirituelle Entwicklung und so vieles mehr. Tantra hat den Hatha-Yoga nachhaltig beeinflusst und im Tantra erfährt das Weibliche eine besondere Wertschätzung.

Wenn man sich die verschiedenen Epochen anschaut, so lassen diese sich in verschiedene Lebensphasen aufteilen: 
  • Die vedische Zeit ist die Zeit des Kindseins (Zugehörigkeit).
  • Die Zeit der Upanisaden lässt sich der Pubertät zuordnen (man probiert sich aus, geht evtl. auch in Extreme).
  • Die epische Zeit ist die Zeit, in der ein Beruf ergriffen und eine Familie gegründet wird.
  • Tantra wäre dann die Zeit, der Midlife-Crisis. Die Zeit, in der Dinge in Frage gestellt werden.

Nicht alle kommen in eine Midlife-Crises und es wurde auch nicht ganz Indien von der Tantra-Bewegung erfasst. Tantra ist vielmehr in den Randgebieten von Indien entstanden. Vom Tantra erfasst wurden Menschen, die unterdrückt wurden. Z. B. Frauen, die sich nicht als Frau entwickeln durften. Wenn du dich irgendwann auf Sinnsuche begibst, dich und dein Leben in Frage stellst, dann beginnst du nach Alternativen zu suchen.

Tantra liebt Fragen - mehr als Antworten.

Tantra liebt
  •    den Spott, die Provokation (gute Karikaturen regen auch zum Nachdenken an?)
  •    Fragen
  •   Offenheit

Haben nicht auch alle herausragenden Wissenschaftler in  irgendeiner Art und Weise provoziert? Ich denke, für jegliche Art von Entwicklung sind entstandene Zweifel die Antreiber.

Tantra sieht die Welt als Ort der Freude. Sei mit all deinen Sinnen da!
Bhoga Loka. Bhoga ist der sinnliche Genuss und Loka bedeutet Welt.

Wie isst du Schokolade? Gierig und hastig mit Hunger auf Süßes als Ersatzbefriedigung und Gegenpol zu einem anstrengenden Arbeitstag. Immerhin schüttet dein Körper durch den Genuss von Schokolade Serotonin aus, ein Botenstoff der glücklich macht. Genau der richtige Ausgleich, nach deinem Hardcore-Arbeitstag.

Der Tantriker wird die Schokolade bewusst und voller Genuss zu sich nehmen. Er macht ein sinnliches Erlebnis daraus. Zunächst wird der Duft der Schokolade wahrgenommen ehe er sich von ihr verführen lässt und sie vernascht. Die Sinne sind die Pforten zur Freude. Da der Tantriker seinen Körper als Tempel des Göttlichen ansieht, ist er bereit ihn gut zu hegen und zu pflegen. Der Schokoladengenuss wird sich daher auch in Grenzen halten, denn ein Zuviel könnte den Tempel verunstalten.

Tantriker treffen bewusste Entscheidungen und sie schauen sich Energien an. Ein tantrischer Lebensstil ist äußerst anstrengend,  weil alles bewusst gewählt wird.

Fasziniert hat mich der Göttermytos SAKTI – SIVA

Wir haben uns ein Bildnis angesehen, bei dem Sakti auf Siva (Sava=Leichnam) steht. Sakti symbolisiert das Weibliche, Siva das Männliche. Zwei polare Energien die sich vereinen können und doch eins sind. Die Sakti auf dem Bildnis hatte 4 Arme, in einer Hand ihrer rechten Körperseite hielt sie eine Blume, symbolisch für das Leben, das Wachsen, das Gedeihen und in der anderen bildete sie die Mudra des Schutzes. Ihre rechte Seite ist die friedliche und kreative Seite. In den beiden linken Händen hält sie einmal eine Schere, mit der sie den Lebensfaden abschneidet und in der anderen Hand hält sie eine Sichel mit der sie köpft. Ihre linke Seite ist die zerstörerische Seite, die auch für Auflösung und Umwandlung steht.

Ich habe mal an meine Kreativität angezapft und das Bildnis abgemalt.



Interessant fand ich in diesem Zusammenhang, dass ja die linke Seite Ida, die Mondkraft repräsentiert und die rechte Seite Pingala die Sonnenkraft. Hat Sakti die zerstörerischen Gerätschaften wie die Schere und den Sichel in ihren linken Händen, weil Umwandlung und Auflösung nur in der Stille im Rückzug stattfinden kann? So faszinierend diese Thematik ist, so sehr regt sie mich auch zum Nachdenken an. 

Siva, das Männliche, braucht Struktur, bezieht sich auf die Materie, auf die Form.
Sakti, das Weibliche, ist Kreativität und Bewegung. Sakti ist kosmische Energie.

In jedem von uns, egal ob Frau oder Mann, sind immer weibliche und männliche Anteile.
C. G. Jung sprach von den Archetypen Anima und Animus.

Interessant ist, dass Amokläufer überwiegend Männer sind. Oder auch die schrecklichen Diktatoren aus der Vergangenheit waren Männer. Durften diese Männer irgendwelche Anteile in sich nicht ausleben, so dass Energie fehlgeleitet wurde? Alles im Leben ist mehr oder weniger Energie. Der Mensch ist ein regelrechtes Energiekraftwerk. Irgendeine Energie scheint bei diesen Menschen explodiert zu sein.

Sakti wird zur Kali, wenn sie das Ego tötet. Symbolisch hält Kali hierfür einen Kopf in der Hand. In der Gegenwart gibt es kein Ego. EGO ist das nicht JETZT. Ego gibt es immer nur in der Vergangenheit oder in der Zukunft.

Wenn wir in der Meditation sitzen und uns ganz auf das hier und jetzt konzentrieren, unseren Atem beobachten, da schlummert dein Ego. Auch in ganz existentiellen Lebenssituationen wie bei einer Geburt oder in Trauersituationen sind wir niemals im Ego. Ja, sogar beim Orgasmus sind wir definitiv nicht im Ego → Das Ego stirbt im Orgasmus. Da bist du jenseits jeglicher Kontrolle und in unserem durch getakteten Alltag verspüren wir doch eine große Sehnsucht mal das Unkontrollierte zu erfahren. Auf der anderen Seite gibt es aber so viele Menschen die eine absolute Angst vor Kontrollverlust haben. Es gibt viele Menschen, die nicht in Savasana (in einer reglosen Rückenlage) auf dem Boden liegen können.

Mit dem Hatha-Yoga wurden Formen entwickelt um jung und fit zu bleiben = männliches Prinzip. Es wurden Praktiken angewandt, mit dem großen Wunsch dem Tod zu entgehen. Das männliche Prinzip hat Angst vor dem Vergänglichen. Muss Sakti, als kosmische Energie, Angst haben?  Wohl eher nicht. 

"Tantra möchte Mut für Vertrauen machen." Nach unzähligen Yoga-Nidra-Reisen (Yoga Nidra hat seine Wurzeln in der tantrischen Wissenschaft) kann ich dieser Aussage aus tiefstem Herzen nur zustimmen. Vertrauen ist der Schlüssel für Veränderungsprozesse. 


Das waren nun 19 DIN A5 – Seiten von meinen insgesamt 31 Seiten handschriftlichen Notizen vom Seminar. Einem Dozenten, wie Dr. Christian Fuchs, könnte ich ewig zuhören und ich habe dieses Wort „ewig“ bewusst gewählt. Er schafft es immer wieder einen anschaulichen Transfer der alten Überlieferungen in die Jetzt-Zeit darzustellen. Informationen über Dr. Christian Fuchs und seine Seminare erhältst du unter folgendem Link www.yoga-akademie.de


Namaste
Bettina

Freitag, 2. Februar 2018

Hatha-Yoga zur Mofi (Mondfinsternis)

Als ich heute Morgen - noch vor dem Yoga - zum Einkaufen unterwegs war, schien mich der Mond besonders intensiv an und nachdem ich die vergangenen Tage schon im Radio und in der Zeitung die ganze Zeit vom Super-Blau-Blutmond hörte, war für mich klar, das wird meine heutige Yoga-Stunde. Ich würde mal sagen, ich war spontan-inspiriert.

Am Mittwoch, 31.01.18 war Vollmond. Ein ganz besonderer und vor allem schon der zweite im Januar. Zwei Vollmonde in einem Monat sind auch eher selten, aber im März 2018 ist das dann schon wieder der Fall. Laut merkur.de bürgerte sich die Begrifflichkeit „Blue Moon“ ein, wenn zwei Vollmonde in einem Monat sind.

Bildquelle: www.pixabay.com


Sonne und Mond, zwei polare Energien, verursachen ja nach Stellung einen gewissen Stress im Erdinneren. Dieser Stress kann einen minimalen Einfluss auf die Entstehung von Erdbeben haben. Diesen Hinweis auf merkur.de fand ich äußerst interessant. Im Yoga erzähle ich meinen Yogis immer, die Energien müssen ausgeglichen sein. Sind sie das nicht, rumpelt es nämlich auch im Karton. Ich will es so erklären, wenn dein Stresslevel die ganze Zeit hoch ist und du nicht für ausreichend Entspannung sorgst, könnte dein Körper über kurz oder lang zu rebellieren beginnen.

Die Sonne ist knapp 400 Mal so weit weg von der Erde entfernt wie der Mond. Sie hat auch den 400fachen Durchmesser. Betrachtet man die beiden Scheibchen am Himmel, sehen sie für unser bloßes Auge gleich groß aus.

Bei einer Mondfinsternis wie am 31.01.18 stehen Sonne, Erde und Mond in einer Linie. Die Erde steht zwischen der Sonne (Yang) und dem Mond (Yin).

In meiner heutigen Yoga-Stunde haben wir uns mit einer Visualisierungsübung auf die polaren Energien Sonne und Mond eingestimmt. Wir haben in den Körper und Geist gespürt und wahrgenommen ob es vorhandene Spannungsfelder gibt. Nimmst du angenommen ein Kneifen im Rücken wahr, kannst du deinen Atem dort hinlenken, dich von den Spannungen lösen und in erfüllende Harmonie eintauchen. Wird dein Seelenfrieden durch lästige Gedanken torpediert, kann dir dein Atem ein wertvoller Freund sein. Zähle einatmend bis vier und ausatmend bis 6.

Im Übrigen ist es doch genial, dass der Hatha-Yoga die polaren Energien ausgleicht.

Ha        Sonne
Tha       Mond

Aus der Polarität kannst du in die Erfahrung der Einheit kommen.

Der Hatha-Yoga ist ein körperbezogener Übungsweg, der sich etwa im 8. Jahrhundert nach Christus in Nordindien auf der Grundlage des Tantrismus entwickelte. Die Praxis ist ein überaus gesundheitsfördernder Übungsweg, der von außen nach innen führt und die Erfahrung vom „grobstofflichen“ (Materie/Körper) zum „feinstofflichen“ (Energie/Geist) ermöglicht.

In der Praxis sind wir zunächst sehr energetisch mit dem Sonnengruß gestartet und später in verschiedenen Dehnhaltungen runtergefahren. Abschließend haben wir in die Mitte unseres Herzens gespürt und hier ein leuchtendes strahlendes gelb visualisiert. Dieses innere Strahlen haben wir wahrgenommen und anschließend mit nach außen genommen. Wir sind quasi als Strahleyoginis und Strahleyogis heute nach Hause. 

Ich finde den Mond absolut faszinierend und spannend zu beobachten, wie ich von der Mondenergie beeinflusst werde. Ein paar Tage vor Vollmond und auch in der Vollmondnacht träume ich sehr intensiv. Unmittelbar nach Vollmond schlafe ich wie ein Stein. Der weibliche Zyklus passt sich den Mondphasen an und Tage vor dem Vollmond schlafen mir regelmäßig die Finger ein. Liegt vermutlich an mehr Wassereinlagerungen. Mond und Wasser ist auch so ein spannendes Thema. Außerdem habe ich diese Tage beim Super-Blau-Blutmond eine extreme Energie wahrgenommen und manchen Personen hat diese Energie glaub nicht ganz so gut getan. Ich hoffe, die können jetzt wieder runterfahren. Spüre regelmäßig in dich, schule dein Körperbewusstsein und nimm wahr, wie du von der Mondenergie beeinflusst wirst. Es ist absolut faszinierend.

Naturphänomene sind spannend, unser menschlicher Körper und vor allem unser Bewusstsein erst recht.

Die Sonne strahlt und scheint und der Mond wird bestrahlt und scheint –. Spüre die Energie in der Mitte deines Herzens und strahle, strahle – immer heller und heller. Vielleicht wird dadurch die Welt ja ein bisschen besser. 


Namaste
Bettina

Sonntag, 12. November 2017

#24GedankenimAdvent

Ein Adventskalender zum Mitmachen


Ihr Lieben,

einige von Euch kennen sicher noch aus den Vorjahren den virtuellen Adventskalender  #24GedankenimAdvent. Der Kalender lädt dich zum Mitmachen ein und ich freu mich, dass er dieses  Jahr bereits in seine dritte Auflage geht. Das Prinzip des Mitmachens ist ganz einfach, du postest täglich zu dem entsprechenden Thema ein Bild und schreibst deine Gedanken dazu. Deinen Post markierst du dann noch mit dem Hashtag #24GedankenimAdvent und wenn du magst mit #bewegterbewussterundbegeisterterleben.

Unter diesen Hashtag’s sammeln sich dann lauter inspirierende und bereichernde Beiträge, die in der besinnlichen Vorweihnachtszeit dazu einladen, mal inne zu halten und durch all die Beiträge zu stöbern. Manchmal bekommt man dann sogar eine schöne Anregung oder Inspiration. 

Also ein Kalender mit und für uns alle.



Insgesamt sammeln sich bereits 737 Beiträge unter dem Hashtag #24GedankenimAdvent. 2015 waren es 561 Beiträge mit allgemeinen Themen, im letzten Jahr waren es 176 Beiträge mit yogischen Themen.

Der Adventkalender in diesem Jahr soll wieder ALLE einladen. 

Die Yoginis und Yogis unter euch lade ich ganz herzlich ein, einen Transfer der diesjährigen  Themen zum Yoga aufzubauen. Das wird bestimmt sehr interessant und spannend.



Und weil GEBEN schöner ist denn nehmen, gibt es in der dritten Auflage der #24GedankenimAdvent auch mal ein kleines Dankeschön von mir an die Mitwirkenden. Leider nicht an alle, denn da würde ich ja arm werden J. Aber ich möchte unter all denjenigen, die fleißig  mithelfen, die Aktion bekannter zu machen, eine Halskette verlosen. Meine Freundin ist selbständige Modeschmuckdesignerin www.schmuckdesign-baumann.de . Von ihr ist das schlichte hübsche Schmuckstück, das man unbedingt haben muss.





Wie ihr in den Lostopf hüpfen könnt und die Teilnahmebedingungen zur Verlosung sehr ihr unter meinem Instagram-Post vom 12.11.17. Teilnehmen können außerdem nur Personen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. 

So, nun freu ich mich, wenn auch in diesem Jahr möglichst viele dabei sind und wir ggf. den 1.000 Beitrag feiern können.


Namaste
Bettina

Freitag, 3. November 2017

Yoga ist nichts für Weicheier – Es gehört schon etwas Mut dazu, sich auf der Matte selbst zu begegnen

Manche Menschen mögen denken, Yoga kommt so einer Art Blümchensex gleich. Sanft und behutsam, sehr zurückhaltend und nicht unbedingt den Höhepunkt erreichend. Doch Yoga ist auf dem Pfad der Erleuchtung alles andere als sanft und behutsam.

Zweifelsohne ist Yoga ein System, das Körper, Geist und Seele harmonisiert, das erlaubt, dass du mit dir selbst wieder in  Berührung kommst und das deinen Atem erfahrbar macht. Gerade das mit sich SELBST in Berührung kommen erschreckt aber viele. Schonungslos offen, wird man auf der Matte mal mit so ein paar Eigenschaften konfrontiert, die in der hintersten Gehirnschublade abgelegt waren.  


  
Dann gibt es noch deinen Atem. Ist doch wunderbar, dass er immer ganz SELBSTVERSTÄNDLICH an deiner Seite ist. Dein Atem unterliegt keiner Kontrolle. Du atmest einfach, völlig unbewusst und dennoch ist es die größte Ressource, die dir im Leben zur Verfügung steht. Das wird dir z. B. dann besonders deutlich bewusst, wenn du dir vorstellst, nur eine halbe Minute unter Wasser zu sein. 

Wenn wir uns den 8-Stufen-Plan nach Patanjali anschauen, wird deutlich „ohne Fleiß kein Preis“:
·         Yama:               der Umgang mit der Welt und mit anderen
·         Niyama:            der Umgang mit sich selbst
·         Asana:              Körperhaltungen
·         Pranayama:      Atemkontrolle, Atemregulierung
·         Pratyahara:       das Zurückziehen der Sinne
·         Dharana:          Konzentration
·         Dhyana:            Meditation
·         Samadhi:          Erleuchtung

Wenn man sich den Plan so anschaut und schrittweise vorgeht, wird deutlich, dass es darum geht, sich auf die Meditation und Samadhi vorzubereiten. Um Samadhi zu erreichen, müssen wir erst mal durch den ganzen Schotter in unserem Unbewussten durch.

Wenn nun ein Yogi-Neuling in eine Yoga-Stunde gehen würde, in der überwiegend meditiert wird, ist das alles andere als entspannend für ihn. Meditiert wird meistens im Sitzen. Nach ca. ½ Stunde würde sich dessen Wirbelsäule im Koma befinden. Und wir kennen es alle, wenn der Rücken schmerzt bist du nicht mehr du Selbst. Außerdem sind da dutzende von Gedanken die deinen Seelenfrieden torpedieren. Da hat man dann schnell keine Lust mehr zu.


Ich bin ja so die crossmediale Yogi-Freestylerin, die gerne improvisiert, mixt und neues ausprobiert, aber der 8-Stufen-Pfad macht schon wirklich Sinn. Da hat sich Patanjali, der in der Zeit vom  2. Jh. vor Christus und dem 4. Jh. nach Christus gelebt haben soll, schon was Cleveres einfallen lassen.

Stell dir nur mal vor, du wirst sogleich in der ersten Yoga-Stunde erleuchtet, das ist wirklich nichts für Weicheier, das ist dann schon eher harter Tobak. Da weist du ja gar nicht wohin mit deinen Emotionen und die Sinne haben sich nicht zurückgezogen, sondern eher vergaloppiert.

Ich erinnere mich noch gut, an meine ersten Yoga-Stunden. Der Hund, Adho Mukhasvanasana, kann als zentrierendes ausgleichendes Asana zwischen anspruchsvollen Haltungen dienen. In meinen ersten Yogastunden hat er mich regelmäßig fertiggemacht. Aber ich habe Ehrgeiz, wo ich doch eine absichtslos übende Yogini sein soll. :-) Da muss ein Reiz in meinem Naturell verankert sein, Dinge zu erreichen, die ich mir zunächst nie zugetraut hätte.



Nehmen wir die Krähe – die hat schon ziemlich an meinem Ego getriggert. Ich wollte das unbedingt können. Nach unzähligen Kontakten meiner Nase mit dem Boden, hebte dann endlich mal das Vögelchen ab und dieses Feeling fühlte sich unbeschreiblich gut an. 



In einem weiteren Yogakurs den ich ausprobierte, wurde überwiegend im Sitzen geübt. Hey, da kommst du vom Büro auf die Matte und dann sitzt du wieder. Du kannst unglaublich viel über dich selbst lernen, wenn da mal wieder so ein „Was soll der Scheiß. Nächste Woche komme ich nicht mehr“ vor sich hin köchelt. Aber man wird halt auch nicht von heute auf morgen erleuchtet. Es ist ein Weg, manchmal steinig, manchmal voller Leichtigkeit. Letztendlich wird hier im Westen ja überwiegend körperlich übend Yoga praktiziert und das ist einfach eine Wohltat für den Körper, sich durch zu bewegen, zu mobilisieren, in seiner Kraft spüren und sich zu dehnen. Aber auch für Geist und Seele ist es eine Wohltat. Du bewegst deinen Körper, kommst in einen Flow und lässt die Seele dabei ausruhen. Also doch ähnlich dem Blümchensex :-) !!!!!

Nach einigen Jahren des Praktizierens von Yoga, bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass Savasana am Ende der Übungspraxis in meinen Augen die Champions League im Yoga ist. Alles wird still. Stille muss man ertragen können. Und dann kannst du lauschen und hören was dir der Meister in dir flüstert. Ja, da gibt es nicht nur Sonnenseiten, da gibt es auch die Schattenanteile in dir. Nein, die gefallen uns nicht wirklich und wir werden mit Dingen konfrontiert, die wir uns lieber nicht genauer ansehen wollen. Wenn du dir schonungslos offen SELBST begegnest, offen und lösungsorientiert die Gedanken anschaust, die deinen Seelenfrieden torpedieren, dann bist du ganz schön mutig. Du bist nicht der Verdrängungstaktiker der abwartet oder alles schön redet, sondern du bist aktiv Gestaltender, der sich die Dinge anschaut, ins Bewusstsein holt und dann nach und nach auflöst. 

Es gibt immer einen Weg….. entscheidend ist, dass es deiner ist

Namaste
Bettina

Freitag, 18. August 2017

Urlaub in MeckPomm - Auch Yogis brauchen mal eine Auszeit

Auf zu neuen Abenteuern in MeckPomm - Mein Reisebericht Teil 1 


Bereits morgens um 3.30 Uhr sind wir gen Norden aufgebrochen. Wenigstens das sollte so sein, wie wenn wir gen Süden fahren. Die Autobahnen wie leer gefegt. Das gefällt mir schon mal. Allerdings stell ich mir schon die Frage, WARUM? Will da etwa keiner hin. Gen Süden stehen wir oft kilometerlang im Stau und als treue Antenne Bayern – Hörerin nehme ich bereits um 5 Uhr morgens die ersten Staumeldungen zur Kenntnis. Ja Freunde, heuer ohne mich *grins*. Nach nur 7 Stunden Fahrtzeit sind wir auch schon am Ziel, fast am anderen Ende von Deutschland. 

Wenn früher immer meine Verwandtschaft aus Hannover oder Köln sagte „Wir fahren nach Bayern“ und zwar so, als wäre das eine andere Welt, kann ich das nun ein Stück weit nachvollziehen. Ich bin hier nun in Mecklenburg Vorpommern am Plauer See und habe ebenfalls das Gefühl in eine andere Welt abgetaucht zu sein. Soviel Natur, manchmal gefühlt abseits der Zivilisation, riesengroße Weizen- und Maisfelder, Wind – ja viel mehr Wind als zuhause – nun ja, es fehlt schließlich auch das schützende Mittelgebirge und es ist kälter als zuhause – für meinen Geschmack zu kalt. Ich würde ganz klar sagen, der etwas andere Urlaub. Aber wie immer, passen wir uns den Umständen an und sorgen dafür, dass wir Spaß haben. Und rückblickend kann ich sagen, es war ein so traumhafter Urlaub.






Draisine fahren ist cool


Heute stand Draisine fahren auf dem Programm. Also quasi Fahrrad fahren auf Schienen. Sehr charmant – sorgt wirklich für Funfaktor. Als wir ankamen, nahm uns ein Herr in Empfang, der etwas Nachhilfe in Freundlichkeit vertragen könnte. Legt er mir ein Formular vor die Nase mit dem Kommentar „Ausfüllen“. Als ich mir eine kurze Zwischenfrage erlaubte – so bin ich halt – kam sein Finger klopfend auf das Formular „Ausfüllen“ und dann „Passend“ mehrmals das Wort „Passend“.  Immer eindringlicher werdend. Wir alle vier – und wir sind wirklich nicht schwer von Begriff – haben tatsächlich eine Weile gebraucht, um zu verstehen was er wollte. Na wisst ihr es bereits? Passend heißt, er will das Geld passend. Ist doch ganz klar!!!! Nun gut, nach uns kamen 2 weitere Paare mit Kindern, vielleicht war er auch angesichts des Besucheransturms leicht gestresst. Wer weiß das schon, ich hab ihn nicht gefragt. Da haste Urlaub und willst entschleunigen und triffst auf einen schonungslosen Antreiber. Zurück zur Draisine – cooles Gefährt. Natürlich nahmen mein Mann und ich erst mal hinten auf der Relax-Bank Platz ein, schließlich hatten wir zwei fast fertige Mannsbilder dabei, die ruhig etwas Energie verpulvern konnten.




Interessant, wenn du als vermeintlicher Zug selbst die Schranke für dich öffnen darfst. Das war jedes Mal der Fall, wenn wir eine Bundestraße kreuzten. Entlang der Schienen sieht man so viel unberührte Natur. Atemberaubend schön, wohltuend und tatsächlich Energie aufladend. Auf der Fahrt hab ich außerdem noch eine Brennnesselkur ganz kostenlos bekommen. Manchmal ließ es sich nicht vermeiden, dass Brennnessel gegen meine Beine, die in kurzen Hosen steckten, peitschten. Da es mir hier ja eindeutig zu erfrischend ist, war diese Draisinen-Tour ein gutes Warmhalteprogramm.

Endlich mal an die deutsche See


Unser dritter Urlaubstag und schönes Wetter. Also, auf geht’s an die Ostsee. Ursprünglich hatten wir vor, nach Warnemünde oder die Insel Poel zu fahren, spontan entschieden wir uns für den Strand Heiligendamm. Unbekannterweise inspirierte mich dieser Ort.
Wie jedes Mal wenn ich an’s Meer fahre, freue ich mich auf den besonderen magischen Moment, wenn sich plötzlich das Meer, verbunden mit dem Gefühl von Weite und Freiheit, vor mir auftut. Laut Navi ist das Meer rechter Hand, aber da ist Wald. Hm, komisch. Und dann kommt er der Augenblick, wo du durch die paar Bäume durch bist und das Meer vor dir liegt. Ganz ehrlich ich bin restlos begeistert. 


Yoga war natürlich immer im Gepäck und so war ich die Heldin dieses Steges




Die Ostsee, die Dünen, der helle Sand, das klare Meer …. Ich bin hin und weg. Zumindest bis ich das erste Mal den großen Zeh ins Meer hineinstreckte. Nichts für Weicheier. Sehr erfrischend. Ich habe gleich mal nach einem Eisbrecher Ausschau gehalten. Da wir bereits morgens um 10.30 Uhr ankamen, waren außer ein paar Hartgesottenen auch keine Menschen im Wasser. Aber HALLO, wenn ich an der Ostsee bin, muss ich da auch rein. Ich hab festgestellt, wenn ein ausgereifter Wille da ist, dann hat man nicht unbedingt das Gefühl in eine flüssige Gefriertruhe zu steigen. Was soll ich sagen, ich habe dem echten Norden Stand gehalten, bin sogar ohne Neoprenanzug in der Ostsee geschwommen. Ich werde den 07.08.2017, den Tag an dem ich Ostsee-Fan wurde, in guter Erinnerung behalten. 



Was bleibt ist die Sehnsucht, angereichert mit einem unbeschreiblichen Gefühl von Weite und Freiheit und der entschlossene Wille, wieder an die See zu fahren. Ich hab jetzt schon Meerweh.


Mittwoch, 12. Juli 2017

Nach 1 kommt 2

Mein zweites Yoga-Retreat vom 30.06. – 02.07.2017 im Erholungsort Wildsteig


Nachdem 2 nach 1 kommt, war klar, dass mein Yoga-Retreat vergangenen Oktober nach einer Neuauflage verlangte. Diesmal im Sommer, den wir mit der Aktivität verbinden. Ganz aktiv haben sich dann auch die Teilnehmenden angemeldet. Ursprünglich war meine Obergrenze bei 14 Teilnehmenden angesetzt. Irgendwie konnte ich aber nicht Nein-Sagen und so sind wir 19 frau- und mannhoch auf Reisen gegangen.

Ein Großteil der Gruppe ist freitags bereits bis 12 Uhr angereist und lies sich von der hervorragenden Küche der Familie Bertl verwöhnen. Nach dem Essen sind wir umzingelt von dunklen Wolken zu einer kleinen Wanderung zum Schwaigsee aufgebrochen. Leider sind wir aufgrund unserer hervorragenden geografischen Kenntnisse und der bedrohlichen Wetterfront nicht am Schwaigsee angekommen. Wie sagt man aber so schön „Der Weg ist das Ziel“. Schön war die kleine Wanderrunde allemal und für ein erstes lockeres ungezwungenes Kennenlernen ideal. Außerdem beeindruckte der Himmel, er war nicht einfach nur langweilig, nein ich fand ihn grandios.






Während unserer ersten Yoga-Sequenz kamen wir mit sanften Mobilisierungs- und Dehnungsübungen sowie mit ein paar Kraftübungen erst mal ins Fühlen und Spüren. Yoga Nidra lud uns dann zum bewussten SEIN ein. Selbstverständlich haben wir uns auch bewusst gemacht, was für ein Geschenk und Luxus es doch ist, sich so viel Zeit für sich SELBST nehmen zu können und zu dürfen.

Nach unserem Yoga gab es erstmal leckeres Essen und es folgte ein entspannter Abend in geselliger Runde.



Der Samstag begann um 7.00 Uhr mit einer halbstündigen Meditation zu der sich immerhin 6 Frühaufsteher einfanden. Um 7.30 Uhr starteten wir dann mit kraftvollem dynamischem Yoga. Danach waren wir alle erst mal mega hungrig.



Am Vormittag brachen wir dann nach Buching mit dem Ziel „Erklimmen des Buchenbergs“ auf. Es war eine sehr schöne, wenn auch sehr steile, Wanderung. Entlang des Baches und mit offenen und achtsamen Augen entdeckten wir viele Details in der Natur. Es war sozusagen „Seelenwandern“ – die Seele durfte ausruhen und der Körper durfte sich ein bisschen in der Herausforderung spüren. Und diesmal war nicht zur der Weg das Ziel sondern auch der Gipfel. Selbstverständlich kam der Spaßfaktor beim Wandern auch nicht zur kurz – schließlich war ich auch noch mit meiner Kamera bewaffnet. Oben hatte man einen grandiosen Ausblick über der Forggensee und einige von uns aßen den weltschönsten Germknödel. Gestärkt und aufgetankt  sind einige wieder herabgewandert und einige bevorzugten die Sesselbahn.





Abends auf der Matte kamen wir bei Yoga-Nidra, einer wunderbaren Tiefenentspannung aus der Psychoneuroimmunologie, mit unserer inneren Weisheit und den Chakren in Verbindung.



Der Sonntag startete wieder um 7.00 Uhr, diesmal mit einer Berg-Meditation und unsere Yoga-Session endete mit „Every little cell in my body is happy“.

Das Wetter hat bis Samstagabend gut mitgespielt, aber am Sonntag regnete es Bindfäden, so dass es an diesem Tag keine gemeinsame Unternehmung mehr gab und wir abreisten.

Erwähnenswert ist noch Ron, der Kellner – sozusagen der „Mann für Alles“ und ein echtes Unikum. Mit seinen Witzen und Sprüchen hat er uns immer wieder zum Lachen gebracht. Leider konnte ich mir keinen einzigen Witz merken.

Rückblickend kann man festhalten, dass es ein sehr schönes harmonisches Wochenende war. Wir waren sehr aktiv, kamen aber auch zur Ruhe. Ein ganz besonderer Dank geht an all die wunderbaren Yoginis und Yogis. Jeder einzelne von Euch hat dazu beigetragen, dass es ein so schönes Wochenende war. DANKE!!!!




Ich freu mich jetzt schon auf den 06.10.17, denn da steht das nächste Wildsteig-Retreat an.
Willst auch du dabei sein? Ich würde mich freuen!
Info und Anmeldung

In Dankbarkeit
Namaste
Bettina